Die Irrwege der Zeichensetzung: Wo kommt bloss das Komma hin?

Für die meisten Menschen ein eher leidiges Thema, für Sprachfanatiker wie mich aber wie ein spannender Krimi: die Kommasetzung. Mit Ausnahme von ein paar freiwilligen Kommas müssen die übrigen kompromisslos und treffsicher gesetzt werden – nicht nur euren geschätzten Leserinnen und Lesern zuliebe, sondern weil alles andere schlichtweg grammatikalisch kreuzfalsch ist. Um euch die Kommasetzung zu vereinfachen, hier ein kleiner Leitfaden, damit ihr beim nächsten Kommaduell einen Trumpf im Ärmel habt.

1)   Kommas zwischen Haupt- und Nebensätzen

Wenn in einem Satz mehrere Ebenen vorkommen, werden Haupt- und Nebensätze jeweils durch Kommas voneinander getrennt. Also zum Beispiel: Ich werde mich bei dir melden, sobald ich die Aufgabe erledigt habe. Ich werde mich, sobald ich die Aufgabe erledigt habe, bei dir melden. Sobald ich die Aufgabe erledigt habe, werde ich mich bei dir melden.

  • Auch Infinitivgruppen (mit „zu“), die du oftmals an Signalwörtern wie „als“, „anstatt“, „ausser“, „ohne“, „statt“, „um“, „es“, „das“, „dies“ usw. erkennst, werden mit einem Komma abgetrennt, z. B.: Wir fuhren in die Stadt, um einige Besorgungen zu machen. Oder: Anstatt sich den Kopf darüber zu zerbrechen, fragte sie einfach nach. Oder etwas weniger klar: Es ist besser, sich einzucremen. Oder: Es war ihr sehr wichtig, sich in diesem Moment zu behaupten.
  • Partizipialgruppen gelten, grob betrachtet, auch als untergeordnete Satzgefüge, denn sie geben oftmals eine Beschreibung oder Erläuterung zum beigestellten Satz ab. Auch hier werden Kommas gesetzt. Beispiel: Sich an die vergangene Zeit erinnernd, schaute sie verträumt aus dem Fenster. Oder: Verträumt schaute sie aus dem Fenster, sich an die vergangene Zeit erinnernd. Oder: Verträumt schaute sie, sich an die vergangene Zeit erinnernd, aus dem Fenster.

2)   Kommas bei Zusätzen, Nachträgen und Einschüben

Einschübe werden am Anfang und am Ende jeweils durch ein Komma gekennzeichnet. Dieselbe Sendung, eine Dokumentation, läuft jeden Donnerstag im Fernseher. Oder als Nachtrag: Jeden Donnerstag läuft im Fernseher dieselbe Sendung, eine Dokumentation. Zusätze am Anfang eines Satzes gibt es so nicht.

3)    Kommas bei Aufzählungen und Reihungen

Zählt ihr mehrere Objekte nacheinander auf, stehen dazwischen jeweils Kommas. Abgeschlossen wird die Aufzählung üblicherweise mit einem und/oder/sowie, vor dem kein Komma steht, also zum Beispiel: Ich habe heute Milch, Butter, Mehl und Rosinen gekauft. Ihr könnt natürlich nicht nur Objekte aneinanderreihen, sondern auch ganze Sätze. Diese werden wie folgt getrennt: Peter liest die Zeitung, Anna schaut aus dem Fenster(,) und Fritz putzt das Bad. Die Kommas zwischen Hauptsätzen, bei denen kein und/oder steht, sind obligatorisch, die anderen können freiwillig gesetzt werden.

Hierarchie der Kommaregeln

Die Reihenfolge, in der die Punkte hier aufgeführt worden sind, widerspiegelt auch das Gewicht der jeweiligen Regel. Beispielsweise geht die Haupt-/Nebensatzregel oder die Einschubregel gegenüber der Kein-Komma-vor-und-Regel vor. Konkret bedeutet das: Ich werde mich bei dir melden, sobald ich die Aufgabe erledigt habe, und dir helfen. Oder: Im Fernsehen läuft schon wieder dieselbe Sendung, eine Dokumentation, und nervt mich.

Hast du jetzt den Durchblick?

Diese Übersicht gibt nur einen sehr groben Einblick in die Welt der Kommasetzung, doch sie kann dir dabei helfen, beim nächsten Kommanotfall abzuwägen, ob wohl ein Komma nötig ist oder nicht. Wer’s noch genauer wissen möchte, dem empfehle ich die Publikation „Das Komma“ von NZZ Libro, hier als PDF-Download erhältlich. Hier wird ausführlich auf Beispiele und Sonderfälle eingegangen. PS: Die Kommasetzung wäre ja nicht die vielerorts so verschmähte Kommasetzung, wenn es zu den vielen Regeln nicht auch genauso viele Ausnahmen gäbe…